Vielen Dank für alles Christian Titz. Es war eine atemberaubend Zeit. Nicht nur, dass wir richtig erfolgreich waren, sondern wir waren auch deutschlandweit ein besonderer Verein und das lag in vielen Stücken an unserem Trainer. Man erinnert sich an Kwasnioks Aussagen, dass es 32 normale Spiele und 2 gegen den FCM gibt. Nach all den auch schönen Jahren des harten Arbeiterfußballs unter Jens Härtel und dem tiefen Absturz danach hatte unser Verein ein neues Gesicht bekommen, welches wir so noch nie hatten. Wir waren die spielstarke Mannschaft, der sich andere anpassen mussten. Daraus ist ein neues Wir-Verständnis erwachsen, das sicherlich nicht komplett zur Stadt Magdeburg gepasst hat, aber auf einmal waren wir der Verein, auf den all unsere Konkurrenten wie Dynamo, Halle etc. so neidisch blickten. Wir wissen auch, dass dieses Wir-Gefühl jetzt weg ist, wir werden nicht mehr der Verein in der Fußballwelt sein, der wir vorher waren. Aber jedes System hat auch seine Schwächen. Vielleicht zittern wir nun weniger vor kapitalen Defensivfehlern oder nutzen in Spielen gegen 96, die nie wirklich gut für uns liefen, solche Schnitzer jetzt selbst mal aus.
Grundsätzlich finde ich nicht, dass er sich uns gegenüber erklären muss. Es ist sein Leben und seine Privatsache. Ich verstehe, dass man das als Fan verlangt, aber psychologisch passiert das nur, weil man den Schmerz des Abgangs nicht aushalten kann und eine Erklärung haben möchte, um den Schmerz loszuwerden. Schmerz weil jemand geht, den man gerne noch hier gehabt hätte. Man kann Dinge aber auch anders empfinden: nämlich über Dankbarkeit. Dankbarkeit für all die tollen Momente: ein 5:2 auf Schalke, ein 2:1 und 3:0 in einer Saison gegen Köln, ein 4:0 in Nürnberg, Siege beim und gegen den HSV, souveräner Aufstieg in die 2. Liga, Zeiten, wo der FCM als Sensenmann an die Türen der Drittligisten klopfte oder Zeichen von Vertrauen, als man den Vertrag entgegen jedem normalen Verein auf dem vorletzten Platz mit dem Trainer verlängerte.
Ich denke schon, dass man aus seinen Worten herauslesen kann, dass er glaubt, dass das Maximum des FCM erreicht wurde. Es wird bergab gehen und davon möchte er nicht mehr Teil sein. Aber natürlich will er persönlich nach vorne und wenn man ehrlich ist, dann ist 96 ein Schritt nach vorne. Alles ist viel professioneller aufgestellt und größer als hier. Daher wünsche ich ihm, wie er es genauso uns tut, alles Gute für die Zukunft dort und dass er seinen Namen in Fußballdeutschland noch bekannter macht. Ein Denkmal sehe ich bei ihm dennoch nicht. Er hat den größten sportlichen Erfolg der Nachwendezeit bei uns ermöglicht, vor allem war aber seine spektakuläre Rettung in der 3. Liga sein wahres Meisterwerk. Er ist ein unglaublich positiver Bestandteil unserer Fußballgeschichte, aber auf dem Sockel des Denkmals wird erst wieder jemand Platz nehmen können, wenn er uns in die erste Liga geführt hat (und nicht Otmar Schork heißt, dem das eigentlich viel mehr gehört).
Wie er jetzt seinen Weg bei 96 geht, gehen wir unseren eigenen Weg in unsere Zukunft. Ein Buch wurde geschlossen, eine Geschichte geschrieben, die nun vollendet ist und an trüben Tagen immer mal wieder erzählt werden wird. Zeitgleich ist aber ein neues Buch geöffnet wurden, mit viel Platz für neue Momente des Glücks oder schwierigen Stunden der Trauer. Und der neue Geschichtenschreiber fing aus meiner Sicht mit tollen Worten den Prolog an.