schwarzer Engel
Liebe Forengemeinde,
für ein Projekt an der UNI möchte ich gerne Meinungen und Gedanken zum Thema „23. Mai 1949“ sammeln.
Hat dieses Datum eine Bedeutung (außerhalb des Geschichtsunterrichts)?
Was verbindet ihr allgemein/ in diesem Jahr damit?
Wichtig für mich wäre zu wissen, wo ihr aufgewachsen seid und jetzt wohnt?
Freiwillig sind die Angaben des Alters (Altersspanne) und Geschlecht.
Ihr könnt hier antworten, mit eine Nachricht schicken oder eine Email anouschka02@hotmail.com schreiben
Danke für eure Hilfe
schwarzer Engel
appel
*editiert von Arpi*
ich bin doch nicht frustiert, wollt nur ausdrücken, das mich dieses Datum überhaupt kein bisschen interessiert.
damit jetzt eine politische Grundsatzdissk. lostreten, hab ich auch leider keine Zeit.
Am 7.10. feiern wir den 60. Republikgeburtstag und am 9. November gedenken wir an die Progromnacht und die deutsche Revolution von 1905 :mrgreen:
S_E_B
jetzt verrätste mir, was die arme junge dame dafür kann, dass du so frustriert bist, appel :P
zur sache:
nach meiner beobachtung spielt dieses datum eine untergeordnete rolle, der 17.06.53, 09.11.89 & 03.10.90 stehen da deutlich im vordergrund. was ich damit verbinde? lustigerweise sticht als erstes ins auge, dass man die 13. bundesversammlung ganz geschickt terminiert hat ;) - ansonsten bleibt ist dieses datum als "geburtstag" des grundgesetzes nach wie vor unauffällig.
für die statistik: aufgewachsen in magdeburg, jetzt wohnhaft in berlin; mitte zwanzig.
Uli Block 10
@Salli
Du hast den 22.12.1965 vergessen! ;)
S_E_B
wie konnte ich? :oops:
nun muss man aber zugeben, dass der mit der bundesrepublik (hau mich, joerk :mrgreen: ) nicht allzu viel zu tun hat :P
joerk
[quote="S_E_B"] (hau mich, joerk :mrgreen: ) [/quote]
gerne...
i.ü.: 22.12.1965
Der Ministerrat der DDR beschließt ein Gesetz über die Einführung der Fünftagewoche in jeder zweiten Woche und die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 auf 45 Stunden für die 3 Mio. Arbeitskräfte.
-gott sei dank- kann ich samstag zum fussball :mrgreen:
back to topic. die verabschiedung des gg ist mir schnuppe, eher finde ich es ärgerlich, dass nach dem beitritt (!!!) dieses unzureichende papier beibehalten wurde
Arpi
Hat es Ende 1965 nur 3 Millionen Arbeitskräfte in der DDR gegeben ? Diese Zahl scheint doch ziemlich niedrig angesetzt zu sein, andere Quellen sprechen von fast 8 Millionen Berufstätiger zzgl. Lehrlinge zu diesem Zeitpunkt. :roll:
Pappel
@Joerk
Fein "gegoogelt"......
joerk
standard :mrgreen:
gelöscht
Meine Meinung zum Grundgesetz möchte ich gerne mit einem Zitat von Günter Grass - Nobelpreisträger und früher (!) Förderer der SPD - aus dem Buch "Fragen zur Deutschen Einheit" von 1998 (ISBN 3-932776-81-X) ausdrücken:
[quote]Nach wie vor ist einzuklagen, daß der Schlußartikel des alten Grundgesetzes, Artikel 146, der zwingend vorgeschrieben hat, im Fall der deutschen Einheit dem deutschen Volk eine neue Verfassung vorzulegen, nicht eingehalten worden ist.
Ich bin sicher, daß wir alle einen ungeheuren und kaum auszugleichenden Schaden erleben, wenn wir weiterhin mit diesem Verfassungsbruch leben.
Die Väter und Mütter des Grundgesetzes in der alten Bundesrepublik haben die Verfassung der Bundesrepublik als Provisorium im Hinblick auf eine später vielleicht mögliche Einheit verstanden. Dementsprechend war die Präambel formuliert und dementsprechend der Schlußartikel. Daran müssen wir uns halten.[/quote]
Ich denke, welchen Umfang dieser "ungeheure und kaum auszugleichende Schaden" nimmt, ist heute an allen Ecken und Enden zu erkennen :evil:
BWG Wirbel
Uli Block 10
Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich wirklich eine neue Verfassung hätte haben wollen. Da hätten auch ein Herr Schäuble u.a. daran mitgestaltet.....
FCMcrewBS
[quote="Wirbel"]...war zu viel...[/quote]
Ähem, bevor Du hier irgendwelchen Blödsinn des soooo tollen Herrn Grass verbreitest, lese Dir den Art. 146 GG erst einmal durch und dann erzähl mir bitte, wo dort steht, dass das Grundgesetz mit Eintritt der deutschen Einheit seine Gültigkeit verliert.
Und ich habe auch bis jetzt noch keine Kommentierung gesehen, die in Richtung der Aussagen von Grass u. Co. zielen.
Aber huh, er hat nen Nobelpreis (in Literatur und nicht Politik!), seine Worte sind Gold wert. :roll:
Ansonsten Uli hat den Kern getroffen, würde es eine neue Verfassung geben, hätte dieses Individuum von Schäuble seine Griffel mit drin und dann kann man schon mal gute Nacht sagen zum Deutschen Rechtsstaat.
S_E_B
auch ich, der hich herrn grass zwar prinzipiell schätze, muss mich meinem vorredner im widerspruch gegen die auslegung des 146 anschließen: da steht nichts von müssen... da steht vielmehr, dass das gg solange gültig ist, bis etwas neues kommt. ende gelände!
Aerolith
für mich bedeutet es die zementierung der teilung deutschlands. die separatisten und westeinbinder, die in den startlöchern hockenden wiederaufrüster, die 5%-hürdler, die verleugner der basisdemokratie bekamen ihre konzepte durch, unterstützt vom rheinländischen separatisten adenauer und in vorauseilendem gehorsam gegen den westalliierten gegen den willen der deutschen, die nicht in dieser wichtigen sache gefragt wurden, sondern über ihre spätere stimmabgabe bei der bundestagswahl später aposteriori quasi zur zustimmung bewegt wurden, nach der sich adenauer selbst die krone aufs haupt setzte.
was heißt hier überhaupt 60 jahre deutschland? der rumpfstaat BRD kann es ja wohl nicht sein.
p.s. ich bin KEIN DDR-fan, damit auch das klar ist. angaben zur person über mein profil.
Pappel
Über die oktroyierte politische Kultur kann man sich streiten, genau so, wie über den omnipräsenten Nepotismus.
Trotzdem können wir froh sein, dass die Geschichte diesen Verlauf genommen hat.
Was willst du als Verlierer eines Weltkrieges schon groß fordern. Und die devote Haltung gegenüber einem Obrigkeitsstaat ist ja in unseren Gefilden seit Jahrhunderten habitualisiert.
Für mich bedeutet das Grundgesetz viel, nämlich den Ausgleich zwischen individueller Freiheit und kollektiver Sicherheit. Die rechtsstaatlichen Grundsätze (manifestiert in den 19 Grundrechten) bilden den Status negativus gegenüber dem "Staat".
Zusammengefasst eines der gelungensten Dokumente der Neuzeit.
Statistik: männlich, geb. in Schönebeck, wohnhaft in Potsdam
schwarzer Engel
Erst mal vielen Dank für eure bisherigen Antworten! Sind ja einige interessante Gedanken dabei – daraus lässt sich ja schon einiges mit anstellen. ;!
@ S_E_B: was ist für dich „wichtiger“: Mauerfall oder offizielle Wiedervereinigung? Ich denke mal, als Mitzwanziger hast du es auch weniger intensiv miterlebt, als mach andere hier.
@ joerk: und die Einführung der Fünftagewoche in der DDR hat wie viel mit der Bundesrepublik zu tun? :mrgreen: Oder haben die das dann auch von uns übernommen? :oops: *zujungbin*
@ aero: tja, das ist eine gute Frage – daher ja auch das Fragezeichen! Aber diese Frage brauche ich nicht beantwortet zu bekommen. ;)
Es ist aber schon interessant, einem Deutschlerner zu sagen, dass die „Bundesrepublik Deutschland“ mal gerade 60 Jahre alt ist. Wenn ich jetzt sagen würde, naja, eigentlich ja noch keine 20 Jahre jung, dann schauen alle noch dummer aus der Wäsche. :shock:
Dann heute viel Erfolg in Cottbus…Zeit wird es ja mal wieder :|
bwg, das Engelchen
S_E_B
für mich ganz persönlich? huiuiui... streng genommen kenne ich ja beides nur aus zahlreichen erzählungen und dem fernsehen... jetzt - in dieser sekunde - würde ich den mauerfall nehmen (aus der perspektive eines bewohners von berlin auch nicht verwunderlich), denn von diesem tag kenne ich einfach mehr geschichten und erlebnisberichte aus erster hand. ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich zu einem späteren zeitpunkt (beispielsweise am 03.10.09) eine andere abtwort geben würde...
fassen wir also zusammen: aus der sicht eines menschen, der es nicht wirklich selbst erlebt hat, dürften beide tage etwa gleichrangig sein.
gelöscht
[quote="Pappel"]Über die oktroyierte politische Kultur kann man sich streiten, genau so, wie über den omnipräsenten Nepotismus.
Trotzdem können wir froh sein, dass die Geschichte diesen Verlauf genommen hat.
[b]Was willst du als Verlierer eines Weltkrieges schon groß fordern.[/b] Und die devote Haltung gegenüber einem Obrigkeitsstaat ist ja in unseren Gefilden seit Jahrhunderten habitualisiert.
Für mich bedeutet das Grundgesetz viel, nämlich den Ausgleich zwischen individueller Freiheit und kollektiver Sicherheit. Die rechtsstaatlichen Grundsätze (manifestiert in den 19 Grundrechten) bilden den Status negativus gegenüber dem "Staat".
Zusammengefasst eines der gelungensten Dokumente der Neuzeit.
Statistik: männlich, geb. in Schönebeck, wohnhaft in Potsdam[/quote]
Bspw. die Anerkennung von Menschenrechten!
Artikel 146 GG lautet:
[quote]Artikel 146
Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, [b]die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist[/b][/quote]
Okay, ich gestehe euch Eure Meinung zu, daß Ihr lieber nach einem aufgezwungenen Besatzungsrecht lebt. Ich hätte trotzdem gerne eine "demokratische Verfassung", wenn wir uns fälschlicherweise schon "demokratischer und sozialer Bundesstaat" nennen, obwohl wir weder ein sozialer, geschweige denn überhaupt ein Staat sind ;)
Wer dagegen mit über 10 Mio. Arbeitslosen, über 10% verschuldeter Haushalte, knapp 3 Millionen Kindern, die in Armut aufwachsen müssen, legalisiertem Bankenbetrug und systematischer Zwangsenteignung glücklich ist, nur weil es ihn nicht selber betrifft, der darf bei der nächsten Wahl auch gerne weiter die "großen Volksparteien" zu ihrem Hochverrat authorisieren.
Ich habe leider ein zu hohes soziales Verantwortungsgefühl, um so egoistisch denken zu können :(
BWG Wirbel
S_E_B
und genau deswegen, lieber wirbel, bist du für mich nur eines: der einzig wahrhafte held, auf den unser so gequältes und entmündigtes volks schon seit jahrzehnten - ach, was sage ich? jahrhunderten! - wartet!
zum abschluss darf ich noch für deine absolution, weiterhin das kreuzchen dort zu machen, wo es mir gefällt, danken.