Grundsätzlich stellen sich mir nach dem heutigen Auftritt doch so einige Fragen.
Noch vor dem Gegentor war deutlich ersichtlich, dass die Braunschweiger viel galliger, bissiger und entschlossener waren. Sie waren bis zum 0:1 bereits laut Livedaten 5 Kilometer mehr gelaufen. Wie kann das sein?! Es ist Saisonbeginn, volles Haus und es war durchaus eine positive Grundstimmung vorhanden. Da will ich es auf dem Platz brennen sehen. Die Braunschweiger konnten die Bälle in Ruhe annehmen und verarbeiten. Unsere Spieler waren stets zu weit weg und machten auch oft gar nicht die Anstalten, den Braunschweigern auf den Füßen zu stehen. Auch unser erfolgreiches Offensivpressing war nicht existent.
Das sind Grundtugenden, die stimmen müssen, aber heute zu keiner Zeit gestimmt haben. Ganz besonders zuhause. Unabhängig von sonstigen taktischen wie personellen Mängeln.
Nun zu den IV. Man verpflichtet mit Jaeckel und MacNulty wirklich gute IV, die jedoch eine entscheidende Schwäche haben: Tempo! Ich ging daher fest davon aus, auch in Erinnerung an die Heimspiele zum Ende der vergangenen Rückrunde, dass Sander und Ibold den neuen FCM tiefer stehen lassen. Aber nichts da. Wir stand so hoch wie zu Titz' besten Zeiten. Wird das weiter so gehandhabt, gehst du mit dieser IV regelmäßig baden. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Man steht weiter so hoch, nur dann wird man zumindest einen schnellen IV brauchen oder 2. man passt das System an.
Das Trainerteam wurde heute brutal ausgecoacht. Das passiert jedem mal und ist auch an sich gar nicht schlimm. Aber selbst nach dem 0:2 oder wenigstens nach dem 0:3 nicht zu reagieren, war schon dreist und für mich auch vollkommen unverständlich. Wenn ich sehe, dass unkontrolliert eine Angriffswelle nach der anderen auf unser Tor rollt und die Mannschaft vollkommen die Kontrolle verloren hat, muss ich reagieren, um die Mannschaft zu stabilisieren. Nichts geschah und so geht die heutige Klatsche zu erheblichen Teilen auf das Konto des Trainerteams.
Auch grundsätzlich muss man den taktischen Ansatz in Heimspielen hinterfragen. Wir sind seit Jahren eine der besten Auswärtsmannschaften und seit Jahren eine der schlechtesten Heimmannschaften. Und das hat Gründe. Zuhause spielen wir Ballbesitzfussball, auswärts ein pressingbetontes schnelles Umschaltspiel. Letzteres beherrscht unsere Mannschaft deutlich besser. Für wirklich erfolgreichen Ballbesitzfussball sind wir technisch zu schwach und individuell zu fehlerbehaftet. Seit Jahren. Wenn wir zuhause endlich erfolgreicher werden wollen, müssen wir uns am erfolgreichen Ansatz orientieren und uns taktisch so aufstellen, dass wir zuhause tiefer stehen, Ballbesitz bewusst abgeben und mehr Umschaltmomente generieren.
Die heutige Klatsche muss für den weiteren Saisonverlauf nicht negativ sein. Aber man muss sich jetzt in die Augen schauen und darf nichts schön reden. Ich hoffe, die Deutlichkeit der Niederlage verhilft zu klarer Sicht.
Was muss nun aus meiner Sicht passieren?
- taktischen Ansatz in Heimspielen überdenken und anpassen
- dringend einen dynamischen Balltreiber für das offensive Mittelfeld verpflichten. Entweder Ulrich oder Spieler xyz
- dringend einen schnellen IV verpflichten
- dringend einen LV verpflichten. Nollenberger ist kein LV, war nie einer und wird auch nie einer werden. Auch letzte Saison waren wir erst stabil, als Musonda LV und Bockhorn RV gespielt hat.
Für das Osnabrückspiel habe ich jetzt klare Erwartungen. Fokus auf die Grundtugenden. Kompakt sein, gallig sein, immer eng am Mann und Umschaltmomente generieren. Ich bin weiterhin optimistisch, aber jetzt müssen alle hoffentlich die richtigen Schlüsse ziehen.
Gute Nacht!