Jörn
an die kenner mal die frage:
ist es korrekt, was ich hörte, dass der Dom ohne Dommuseum keine Chance hat zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt zu werden?
Uli Block 10
möchte der dom denn das?
Jörn
auf jeden fall möchten stadt und land dies. und ich würde mich ebenfalls freuen. aber bisher hat die unesco das ja immer abgelehnt und zwar nicht weil der dom es grundsätzlich nicht wert wäre und auch nicht, wegen der neubauten am domplatz. irgendwas hat noch gefehlt, ich weiß aber nicht mehr so 100%ig was es war, glaube es war sowas wie ein archiv, was mit dem dommuseum abgedeckt werden sollte. bin mir aber wie gesagt nicht ganz sicher. daher die frage.
Aerolith
ich hab keine ahnung, welche pißnelke die kriterien für die bestimmung zum weltkulturerbe festlegt. wenn der weniger bedeutsame kölner dom dazu gehört, wir aber nicht, dann sag ich: drauf geschissen. wenn zur bestimmung eines weltkulturerbes die touristische ausschlachtung, die logistische einbindung oder der pflegezustand gehören, dann sag ich: drauf geschissen.
was allerdings so im raume schwebt, das ist die bewerbung für 2017. allerdings hat der dom mit martin luther und der reformation nur per negationem was zu tun. der dom war seinerzeit die hauskirche des papstes, albrechts. nachdem die ulrichskirche sagte: wir nehmen den luther und die anderen gemeinden magdeburgs nachzogen, da sagte der dom immer noch nö. er wurde erst fünfzig, sechzig jahre später und als letzte kirche magdeburgs protestantisch.
koch zielt mit seinem konzept auch schlauerweise nicht auf die hochzeit magdeburgs, die zeit von etwa 1500 bis zur zerstörung 1631, als wir so was wie die hauptstadt des protestantismus waren: wirtschaftlich, theologisch und logistisch. er orientiert sich auf die erste hochzeit magdeburgs, das hohe mittelalter. edith ist als kaiserin nun noch bedeutsam, aber wichmann ist nur einer unter vielen und dürfte kaum leute anziehen.
Jörn
denk dir mal n anderes wort als hochzeit aus, wie blütezeit, sondern verwechselt das nur jemand mit der http://de.wikipedia.org/wiki/Magdeburger_Hochzeit
puyol
zunächst müsse man ähnlich dem archiv eine inventarliste erstellt haben. diese wurde ausführlich in buchform erstellt. auch ein dommuseum wäre ganz brauchbar für einen positiven entscheid. nun ist es angeblich so, dass einzelne kirchen nicht mehr als welterbe in frage kommen. ein ensemble müsse es sein. hätten wir. aber das müsste nun neu konzipiert werden über zig jahre. etwas demotiviert sollten jene bewerkstelliger schon sein.
in frankreich wurden kirchen, die welterbe sind, nach deren zerstörung neu aufgebaut, das ist kein historischer krümel mehr am bauwerk - aber sie sind katholisch.
die entscheidungsträger der unesco sind, sagen wir mal, etwas katholisch angehaucht. wer magdeburgs geschichtliche rolle kennt, dürfte wissen, warum es der dom ganz schwer haben wird in den nächsten 30, 50 jahren aufgenommen zu werden.
FCMFan1990
Fakt ist, dass es der Magdeburger Dom verdient hätte aufgenommen zu werden. Wenn der Kölner Dom schon drin ist, der zum einen geschichtlich nicht so relevant ist und zum anderen deutlich später fertiggestellt wurde, was ein wenig die bauliche Leistung schmälert.
Nur bei der momentan reichlichen Vergabe der Titel, frage ich mich, ob der Status "Welterbe" überhaupt noch was wirklich bedeutsames ist und ob wir den wirklich brauchen.
Magdeburg ist und bleibt eine aufstrebende Stadt, ob mit oder ohne Welterbe.
Das Dommuseum könnte aber eine wirkliche Bereicherung sein, wenn es gut realisiert wird. Da bin ich weiterhin etwas vorsichtig.
Aerolith
Jörn, das mußt du anners betonen, nicht HOCH wie NOCH, sondern HOCH wie LOG! ;) diese magdeburger hochzeitsgeschichte ist ne zynische betrachtung, wahrscheinlich von katholen ins land gestreut. und die sollen jetzt, wie puyol meint, auch schuld daran sein, daß wir kein weltkulturerbe sein sollen? und koch will es hintendurchdienaseinsauge dann doch erzwingen, indem er ein museum baut und den katholen innen arsch kriecht? nö, da mach ich nicht mit. historisch ist das auch nicht korrekt, denn weder edith noch wichmann hatten was mit unserm dom zu tun. zu ediths zeiten stand da ne kapelle, wichmann liegt zwar im dom und zeigt mit seiner lanze nach osten - immer druff auf die heiden! -, aber auch der hat mit dem dom nichts zu schaffen, das war einfach mal nach seiner zeit. die haben also in einem dom-museum nix zu suchen. wenn dom-museum, dann erst ab der gotik!
und noch was zur magdeburger hochzeit. das war nämlich so:
25000 kaiserliche Söldner zogen nach Magdeburg, um die mächtigste und reichste protestantische Stadt zu plündern. Am 20. Mai 1631 war es soweit; mehr als zwei Drittel der Magdeburger wurden erschlagen (ca. 20000). Die Stadt stand unter Reichsacht, und damit waren ihre Bürger vogelfrei und die Stadt ohne Rechte. Gustav Adolf befand sich in einer Ruhephase und wollte seine Heeresmacht nicht aufteilen. Eine versprochene Entsetzung der Stadt blieb somit aus. Manche Historiker behaupten, daß der in den Diensten Schwedens stehende Kommandant der Stadt, Falkenberg, die Stadt opferte, um den kaiserlichen Truppen Versorgungswege abzuschneiden. Andererseits soll Tilly seinen Truppen eine dreitägige Plünderung versprochen haben, da die kaiserlichen Truppen lange keinen Sold mehr erhalten hatten. Was ist richtig? Die Folge dieser [i]Magdeburger Hochzeit[/i] (die Magdeburger Jungfrau muß den Kaiser heiraten und eine Mitgift mitbringen) bestand darin, daß die beiden norddeutschen protestantischen Churfürsten nun auf die Seite des Schwedenkönigs übergingen und der Leumund des Kaisers Schaden nahm und viele dato Unentschlossene sich der protestantischen Seite anschlossen.
noch was zur magdeburger jungfrau: machteburch muß es heißen, mächtige burg, nix mit jungfrau, nix mit magd, die interpolation erfolgte, weil das mägden (mädchen/jungfrau) edith von ihrem otto magdeburg und umland (ostfalen) als morgengabe erhielt, als am morgen nach der hochzeitsnacht das bettuch rot war. daher auch grün (steht für das fruchtbare land hier)-rot (das geplatzte jungfernhäutchen) als stadtfarben. in der vorstellungskraft der menschen fielen so magd, macht und burg zu einem wort zusammen. wir dürfen auch nicht vergessen, daß unsere stadt im mittelalter megedeburch und nicht magedeburk hieß, wie es nach den lautgesetzen im mittelnorddeutschen raum hätte geheißen haben müssen, wollte man auf die junge frau insistieren.
ForzaFCM
Interessant. ;!
Mütze
[quote="ForzaFCM"]Interessant. ;![/quote]
Was ich nicht verstehe, dass die Geschehnisse um die Belagerung und Eroberung Magdeburgs weder in bedeutenden Werken der Weltliteratur noch in die Filmkunst
eingingen - oder irre ich mich da?
Faxe
[quote="Mütze"][quote="ForzaFCM"]Interessant. ;![/quote]
Was ich nicht verstehe, dass die Geschehnisse um die Belagerung und Eroberung Magdeburgs weder in bedeutenden Werken der Weltliteratur noch in die Filmkunst
eingingen - oder irre ich mich da?[/quote]
Was sollen denn diese bedeutenden Werke sein? In spezifischen Büchern findet man viel Auskunft über Magdeburgs Vergangenheit, aber eine konkrete Schlüsselrolle in allgemeinen Büchern wird man wohl nie finden. Magdeburg ist heute nunmal keine Weltstadt, die für die Allgemeinheit von Bedeutung ist.
bbp
[quote="Aerolith"]...der dom war seinerzeit die hauskirche des papstes, albrechts. ...[/quote]
für diesen schwachsinn hätt' ich gern eine quellenangabe. es wären gleich zwei weltsensationen, wenn zum einen der magdeburger dom zu der zeit nach rom verlagert wurde und zum zweiten es einen papst namens albrecht gegeben hat...
bwg
bbp
Aerolith
tut mir leid, bbp, daß ich blöd bin. nur bildblogger wissen mehr.
Kille
...
Aerolith
die kannte ich noch nicht, kille, statt dessen kenne ich zwei weitere:
1. grun, weiß und rot sind die katholischen urfarben im mittelalter. MD als erzbistum, als das bistum zur eroberung des heidnischen ostens im 10. jhd. gegründet, mußte die katholischen farben in den osten tragen, darum grün und rot.
2. augsburg, wo die fugger saßen, hat auch grün und rot. als albrecht sich dort bei den fugger geld borgte, das er wegen seiner ämterhäufung zum papst tragen mußte, der ihm dann erlaubte, magdeburg als erzbischof auszuplündern, instruierte der tezl, der die ablaßbriefe hier verscheuerte. dabei waren die grün und rot gesigelt, was in der folgezeit viele mit magdeburg verbanden.
wie gesagt, das sind zwei weitere theorien. am poetischsten ist die mit ediths jungfernhäutchen. deshalb schlage ich vor, daß wir die fortan als erklärungsmuster reklamieren. geschichte ist schließlich nichts anderes als die interpretation von geschehenem zum nutzen der lebenden, darum dehnbar wie ein gummiband. :D
bbp
@aerolith
es geht hier nicht darum, ob du blöd bist oder nicht. es geht vielmehr darum, dass wenn man hier einen, auf intellektuell gemachten, sermon zum besten gibt, dann auch wenigstens die fakten eines jeden einzelnen satzes stimmen sollten. bei solch offensichtlichem schwachsinn wie oben angegeben, fällt es mir als nichtexperten auf diesem gebiet sehr schwer deinen weiteren, rhetorisch gewieften, ausführungen glauben zu schenken.
mal davon abgesehen, dass persönliche angriffe aufgrund einer profilsignatur ziemlich erbärmlich sind: wo bleibt meine geforderte quellenangabe? oder zumindest die einsicht, dass du mit deiner (vermutlich gewollten) überhöhung des domes als "papstkirche" so ziemlich daneben lagst.
bwg
bbp
p.s.: wer in beiträgen menschen als pissnelken bezeichnet sollte sich von worten wie schwachsinn nicht wirklich herausgefordert fühlen...
bbp
[quote="Aerolith"] dehnbar wie ein gummiband. :D[/quote]
in diesem sinne geht es weiter mit dem lustigen theorienzerpflücken:
zu 1.: die traditionellen farben der katholischen kirche sind nicht nur rot, weiss und grün, sondern auch violett, das war auch schon so im mittelalter... warum sollte man nach aeroliths theorie einfach so 50% der vorhandenen farben wegfallen lassen um stadtfarben zu kreiren?
ein weiteres schönes beispiel für rhetorische beeinflussung: warum "musste" magdeburg als erzbistum diese farben in den osten tragen? war es nicht vielmehr so, dass im 10. jhd. die katholische kirche die einzige kirche war und die schäfchen des erzbistums md vielmehr sehr freiwillig an der missionierung des ostens teilgenommen haben, weil es ja schliesslich um "die gute sache" ging? oder möchte herr von wolkenstein uns hier weissmachen, dass die magdeburger ja quasi schon 500 jahre vor der reformation protestantische züge in sich trugen? das wäre wiederum eine weltsensation...
bwg
bbp
Aerolith
bist'n politisch-korrekter, gelle? ich nicht. ich schreibe und sage, wie mir der mund gewachsen ist und nehme nicht in anspruch, immer richtig zu liegen. ich habe hier auch keinen bildungsauftrag, sondern sag nur meine meinung. deine these vonner präprotestantischen substanz unserer ahnen im hohen mittelalter halte ich für ziemlich gewagt, aber wenn das deine meinung ist, bitte. betrachte ich das mentalitätsgeschichtlich, hm, schwierig. ich glaube, in jedem menschen steckt ein schnurzel, eine pißnelke und vielleicht auch ein dummschwätzer. die frage ist nur, welchen teil er rausläßt.
papstkirche gibt es nicht nur in rom/vatikan, sondern in vielen teilen europas. grob gesagt, d.i. so ein sammelbegriff für die kirchen, in denen speziell für den luxus in rom bezahlt wurde. wenn ich dir halbgebildetem das mal beibiegen darf: der papst wird von kardinälen gewählt, aus diesem kreis bestimmt. in diesen kreis muß man erst mal (als laie) reinkommen. das erfolgte über ämterkauf, simonie. da machten viele mit, auch albrecht von brandenburg. der kaufte sich quasi unsern dom auf seinem wege zum papstposten. weiß nicht, ob er papst werden wollte, aber hoch hinaus wollte er, sonst hätte er sich nicht auch noch um mainz beworben und hoch verschuldet, sonst hätte er nicht mit leo (der war alt und papst) in rom den deal gemacht und leo hätte ihm dann nicht erlaubt, die schulden über das supergeschäft der ablaßbriefe einzutreiben. dafür war magdeburg vorgesehen, also der ostfälische raum bis brandenburg rein, aber in brandenburg war seinerzeit nix zu holen, also magdeburg.
das störte luther und friends. aber der dom war unantastbar! weil er eben die papstkirche war, also die kirche in magdeburg, die sozusagen unmittelbar mit dem papst verbunden war, während das die anderen nicht waren. das bedürfnis war da, den bock umzustoßen, aber wer fing an? da liegt die kirchengeschichtliche bedeutung der ulrichskirche. sie war die erste gemeinde in der welt, die sich von rom lossagte und eine eigene kirchenstruktur aufbauen wollte. alle anderen kirchengemeinden in magdeburg zogen gleich mit, woran zu ersehen ist, wie groß das bedürfnis nach lossagung von rom war, nur der dom nicht. darf ich da nicht behaupten, daß der grund dafür darin lag, daß der dom eben die papstkirche war und der homo sapiens magdeburgiensis wußte, daß es krieg gibt, wenn er hand an den dom legt? schlage mir einen begriff vor, wie wir diesen dom nennen wollen, diesen papst-dom von 1521! ich bin für vorschläge offen. ich habe ihn papstkirche magdeburgs genannt.
appel
wie formuliert es mein Schauspielkollege immer trefflich, wenn es bei solchem Geschwafel nicht mehr weitergeht :
[b]Ich geh mal kacken ![/b]
Wassermann
Um den Fokus mal wieder auf´s Wesentliche zu konzentrieren.... :!: :!:
Der Flora-Park soll für ca.50 Millionen saniert bzw.neugestaltet werden und eine neue Facettenreiche Ladenstruktur bekommen
Nachzulesen hier : http://vsdigital.volksstimme.de/Olive/ODE/GSMDX/default.aspx
Seite 2
Mein Tipp an den Investor :Spar lieber das Geld und investiere in den Nordabschnitt des Breiten Weg´s! (man wird ja wohl noch Träume haben dürfen ;) )
BWG